Die anderen Määäher

Im steilen Relief des Odenwaldes liegen heute viele Flächen brach, da sie unter heutigen Bedingungen nicht mehr ökonomisch maschinell bewirtschaftet werden können. Viele Flächen mit ungünstigem Relief sind einer fortschreitenden Sukzession (Verbuschung) ausgesetzt. Hier ist die Pflege oft schwere Handarbeit, die heute keiner mehr leisten kann und will. Dieser Prozess beeinträchtigt die Artenvielfalt, das Kleinklima und nicht zuletzt das Landschaftsbild.

Der APfEL e.V. in Heiligkreuzsteinach möchte mit seiner artgerechten Tierhaltung an die ursprüngliche Nutzung der Kulturlandschaft anknüpfen. Nur, dass heute nicht der Lebensunterhalt im Vordergrund steht, sondern die Freude an der Tierhaltung, deren breitensportliche Nutzung im Freizeitbereich und die damit verbundene landschaftspflegenden Tätigkeiten in der Natur. Einige unserer Vereinsmitglieder halten neben Pferden auch andere Weidetiere, wie z.B. Rinder, Ziegen, Schafe oder gar Alpakas.  Mit den Pferden wird Dauergrünland beweidet. In der Vegetationsperiode sind die Tiere ganztägig auf den Streuobstwiesen, was der artgerechten Haltung am nächsten kommt. Dort, wo das Geländerelief eine Beweidung durch Pferde wegen zu großer Trittschäden nicht zulässt und wo Verbuschung droht, kommen die kleinen Mäher zum Einsatz.

Buren- und andere Ziegen

Burenziegen sind für den Einsatz in der Landschaftspflege gut geeignet, da sie typische Laubfresser sind. Sie sind durch besondere Eigenschaften prädestiniert für die Sukzessionsverhinderung. Als Konzentratselektierer picken sie sich aus einem vielseitigen Futterspektrum das schmackhafteste Laub heraus und dies sehr gründlich. Die gespaltene Oberlippe ermöglicht ihnen das Befressen von Dornen wie Brombeerverhauen. Sportlich sind sie auch. Sie können sich senkrecht über der Hinterhand aufrichten, sehr behände springen und klettern auch an steilsten Hängen und auf felsigem Grund. Im Gegensatz zu den großen Pflanzenfressern hinterlassen sie durch ihr geringes Gewicht und die weite Spreizbarkeit der Klauen fast keine Trittschäden.

 

Bevorzugte Einsatzorte sind die Saumvegetation von Wald, Gebüsch und Hecken, damit diese nicht in Dauergrünland hinein wuchern. Steilhänge, Steinriegel und Felsstrukturen können offen gehalten werden. Dominanzbestände von krautigen Pflanzenarten oder Neophyten, wie z.B. Japanischer Staudenknöterich können mit Burenziegen eingedämmt werden. Die Entbuschung mittels Ziegen ist sehr faunaverträglich. Im Gegensatz zum maschinellen Roden haben bei der Beweidung die kleinen Lebewesen die Möglichkeit, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

 

In Eiterbach gibt es auch noch braune Edelziegen und die besonders schönen Walliser Schwarzhalsziegen (siehe Photo), die als die älteste Ziegenrasse der Welt gilt.

 

Bretonische Zwergschafe (Ouessants)

Seit 2012 ist in Lampenhain eine kleine Gruppe Bretonischer Zwergschafe als Weidepfleger unterwegs. Aus den anfänglichen 4 Tieren sind mittlerweile 8 geworden. Die Schafrasse kommt ursprünglich von der französischen Atlantikinsel Ouessant, die mit ihrem feucht-kalten Klima und der kargen Gras- und Kräutervegetation dafür sorgte, dass die Rasse sehr klein, anspruchslos und widerstandsfähig wurde. Zur Weidepflege von kleineren, steilen oder feuchten Flächen kann man sie gut einsetzen, doch sollten junge Baumstämme vor Verbiss geschützt werden, da sie gerne junge Rinde knabbern. Für Brombeerhecken sind sie wegen ihrer Wolle nicht so gut geeignet. Die Gefahr, darin hängen zu bleiben, ist nicht zu unterschätzen. Mit ihren gerade mal 50 cm Widerristhöhe sind sie die kleinste Schafrasse der Welt und in Deutschland noch extrem selten. Für ein Absatzlamm zahlt man oft zwei- bis dreimal so viel wie für Lämmer von weit verbreiteten Rassen,

Umso schöner, dass hier in der Umgebung gleich 3 Standorte vertreten sind – neben Lampenhain sind noch 2 kleinere Gruppen in Ziegelhausen-Peterstal (5 Tiere) und Wilhelmsfeld (3 Tiere) zu finden. Die ursprüngliche Färbung dieser Minischafe ist schwarz, aber auch Grauschimmel, Braune und Weiße kommen vor. Gefleckte Tiere sind extrem selten. Die Böcke tragen wunderschöne gedrehte Hörner, was diesen kleinen Tieren einen imposanten Ausdruck verleiht. Die Auen sind hornlos und damit gut von den männlichen Tieren zu unterscheiden. So klein diese Schafe sind, so lauthals können sie manchmal auf sich aufmerksam machen. Meist gibt es in jeder Herde einen „Schreier“, der ankommende Menschen begrüßt oder verabschiedet. Dafür sind sie aber recht zutraulich, oft sehr schnell handzahm und leicht leinenführig zu machen. Die 5 Hammel und 3 Auen aus Lampenhain pflegen 2 kleinere Streuobstwiesen. Daneben leisten sie einen Beitrag als Wollegeber für das beliebte Projekt „Filzen“ beim Heiligkreuzsteinacher Feriensommer und stehen den Klienten der Wellenreiter GbR als tierische Co-Therapeuten zur Verfügung. Es ist unglaublich entspannend, seine Finger in die dicke, weiche Wolle zu versenken, auf der Wiese zu sitzen und „Schäfchen zu zählen“…

 

 

 

Alpakas

2011 zogen die ersten Alpakas nach Lampenhain - mittlerweile sind es 8 Stück.

Alpakas gehören zur Familie der Neuweltkameliden und ihre ursprüngliche Heimat liegt in Südamerika in den Anden. Schon die Inkas schätzten sie wegen ihrer wertvollen Wollfaser, die in der Qualität gleichwertig mit Kaschmir ist.

Alpakas sind Herdentiere und dürfen deshalb nie alleine gehalten werden. Sie sind sehr scheu, aber auch neugierig und man kann sie mit liebevoller Zuwendung halterführig bekommen und mit ihnen spazieren gehen. Wir, die Steinachtal Alpakas, bieten ausser Spaziergängen auch Kindergeburtstage mit Schatzsuche an.

Alpakas benötigen einen winddichten Stall und einen Auslauf. Sie fressen das ganze Jahr über Heu und im Sommer freuen sie sich über frisches Gras auf der Weide. Diese muss mit einem Wildgatter eingezäunt sein, Stromzäune akzeptieren sie leider nicht. Im Gegensatz zu Pferden haben Alpakas Schwielensohlen und können so auch steile Wiesen beweiden und verletzen die Grasnarbe weniger. Sie legen auf der Weide Kotstellen an, so dass die Wiesen nicht so sehr verwurmt werden.Brennessel und Dornengestrüpp mögen sie nicht so gerne.

Es sind sehr liebenswerte und faszinierende Tiere und es macht Spass sich mit ihnen zu beschäftigen.